Homocystein

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Herzerkrankungen gehören zu den häufigsten Gründen, warum Menschen ins Krankenhaus kommen. Zum Herzinfarkt zum Beispiel kommt es, wenn ein oder mehrere verkalkte Herzkranzgefäße durch Blutgerinnsel verschlossen werden. Der Herzmuskel wird dann nicht mehr richtig mit Nährstoffen und mit Sauerstoff versorgt, das Gewebe geht unter. Risikofaktoren für die Entstehung von Arterienverkalkung, der Ursache des Herzinfarktes, sind erhöhte Cholesterinwerte im Blut, Bewegungsmangel, Rauchen, Bluthochdruck, zu fettreiche Ernährung, Zuckerkrankheit, Stress und Übergewicht. Bereits Ende der achtziger Jahre entdeckte man einen zusätzlichen Risikofaktor: den Eiweißbaustein Homocystein.

Der Beitrag beschreibt den Stoffwechsel dieser in unserem Körper vorkommenden Aminosäure. Darüber hinaus gibt er Tipps zur gesunden Ernährung bei erhöhten Homocysteinwerten im Blut und sagt, wie wir es gar nicht erst soweit kommen lassen. Homocystein ist nicht proteinogen  – das heißt, Homocystein wird nicht in körpereigenes Eiweiß eingebaut. Sondern Homocystein ist ein natürliches Zwischenprodukt unseres Stoffwechsels. Homocystein schadet uns nur, wenn es im Übermaß vorhanden ist.

Homocystein-Blutwerte

Normalerweise liegt der Homocysteinspiegel im Blut bei 5 umol/l, bis 8 umol/l gilt er als unauffällig. Schon ein leicht erhöhter Homocysteinspiegel im Blut gilt als Risikofaktor für die Entwicklung einer Arterienverkalkung. Und hohe Homocysteinwerte ab 16 umol/l steigern die Gefahr, dass mit der Zeit Durchblutungsstörungen auftreten – im Herzen um 70%, im Gehirn um 150 % und in den Beinen um das Sechsfache. Dementsprechend sollten bei einem Homocysteinspiegel > 16 umol/l grundsätzlich die Ursachen abgeklärt und behandelt werden.

Entdeckt durch eine Erbkrankheit

Der US-amerikanische Biochemiker Vincent du Vigneaud entdeckte Homocystein 1932 während er sich mit schwefelhaltigen Verbindungen auseinandersetzte. Viel später wurde man auf Homocystein im Zusammenhang mit Erkrankungen aufmerksam: Man beobachtete Patienten,  die an der sehr seltenen Erbkrankheit Homocysteinurie leiden. Bei den Betroffenen sammelt sich übermäßig viel Homocystein im Blut an und wird im Urin ausgeschieden. Sie sind von Kind an geistig unterentwickelt und leiden an Skelettanomalien. Bei zwei Drittel der Erkrankten treten bereits mit 30 Jahren Herz-Kreislauf-Leiden und sogar Herzinfarkte auf. Es kommt auch eine leichte Form dieser Stoffwechselstörung vor. Sie verläuft in der Regel ohne Symptome und die Homocysteinwerte im Blut sind nur mäßig erhöht. Sie ist die Ursache von Gefäßwandschäden schon in jungen Jahren.

Hohe Homocysteinwerte durch Vitaminmangel

Erhöhte Homocysteinwerte im Blut liegen auch bei Menschen vor, die schlecht mit den Vitaminen B6, B12 und Folsäure versorgt sind. Besonders gefährdet sind daher ältere Menschen über 65 Jahren. Sie ernähren sich oft vitalstoffarm und müssen Medikamente einnehmen, die sich ungünstig auf die Vitaminaufnahme aus den Nahrungsmitteln, die sie verzehren, auswirken.

Wer älter als 40 Jahre ist, hat nach Meinung vieler Wissenschaftler ebenfalls ein größeres Risiko für hohe Homocysteinblutwerte. Oft findet man bei Frauen in den Wechseljahren erhöhte Werte. Und in der Schwangerschaft gefährdet ein hoher Homocysteinspiegel nicht nur die Gefäßgesundheit der Mutter, sondern auch die Gesundheit des ungeborenen Kindes.

Der Zusammenhang zwischen einer schlechten Vitaminversorgung und einem hohen Homocysteinspiegel im Blut lässt sich relativ einfach erklären. Homocystein wird in den Körperzellen aus der schwefelhaltigen Aminosäure Methionin aufgebaut und mit Hilfe der Vitamine B6, B12 und Folsäure wieder entgiftet. Der schnelle und vollständige Umbau von Homocystein ist jedoch nur bei einer guten Vitaminversorgung gewährleistet.

Wie Homocystein die Gefäßwände schädigt

Klappt der Abbau des Homocysteins in den Körperzellen aufgrund eines Vitaminmangels nicht, gelangt zu viel Homocystein ins Blut. Das wiederum führt zu einer erhöhten Produktion aggressiver freier Radikale. Außerdem sinkt die Bildung von Stickstoffmonoxid:  Stickstoffmonoxid wirkt gefäßerweiternd. Die freien Radikale verletzen die Innenwände der Arterien. Der Körper repariert diese Stellen, indem er Fettpartikel und Kalksalze einlagert. Die Blutgefäße werden dadurch dicker und härter. Nach einer Weile geht ihre Elastizität verloren, der Blutdurchfluss wird behindert.

Eine fortgeschrittene Arterienverkalkung ist lebensgefährlich. Denn wenn die Deckplatte eines Gefäßpolsters einreißt und dadurch ein Blutgerinnsel entsteht, verstopft dieses den Rest der Gefäßöffnung. Passiert das in einem Herzkranzgefäß, kommt es zum Infarkt. Wird durch ein Blutgerinnsel das Gehirn nicht mehr richtig durchblutet, kommt es zum Schlaganfall.

Blutuntersuchung bringt Klarheit über den Homocysteinspiegel

Einmal können erhöhte Homocystein-Blutwerte  eine Schädigung der Blutgefäße zur Folge haben. Homocystein steht aber auch in engem Zusammenhang mit der Entstehung von Depressionen und Demenzerkrankungen im Alter. Also wer in Bezug auf seine Homocystein-Blutwerte sicher sein möchte, kann diese regelmäßig (ein- oder zweimal im Jahr) bestimmen lassen: Das übernimmt je nachdem der Hausarzt, Laborpraxen oder Apotheken – wobei Kassenpatienten diese Bestimmung in der Regel selber bezahlen müssen. Hohe Homocystein-Blutwerte werden in der Regel mit Kombi-Vitamin-Präparaten behandelt, also mit Vitamin B6 + Vitamin B12 + Vitamin B9 (Folsäure)*.

Vollwertige Ernährung beugt vor

In vielen Haushalten hat schnelles, vorgefertigtes Essen Vorrang vor Frischem. Dabei bleiben aber wertvolle Nährstoffe auf der Strecke. Von ausreichender Versorgung mit den Vitaminen B12, B6 und Folsäure kann kaum die Rede sein. Man weiß, dass die Gabe von B-Vitaminpräparaten – besonders von Folsäure – die Homocysteinwerte im Blut und damit die Gefahr der Arterienverkalkung senkt. Aber schon eine vollwertige Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Salat, Vollkornprodukten, Milch, Quark und Joghurt kann die schlechte Versorgungslage mit den drei wichtigen Vitaminen verhindern. Ferner ist ein entsprechender Speiseplan automatisch ballaststoffreich und fettarm. Dies hat zusätzlich einen positiven Einfluss auf das Körpergewicht, die Blutfette und die Blutzuckerwerte.

Lebensmittel, die Folsäure enthalten

Gemüse           Spinat, Bohnen, Spargel, Grünkohl, Pastinake, Chinakohl, Rosenkohl, Wirsing, Rote Beete, Broccoli, Endivie

Obst                 Apfelsinen

Innereien        Leber, Niere

Sonstige           Bierhefe

Lebensmittel, die Vitamin B6 enthalten

Fleisch             Geflügel, Rind-, Kalb- Schweinfleisch

Fisch                Lachs, Makrele, Hering, Thunfisch, Sardine

Getreide          Reis, Weizen, Hafer, Hirse

Gemüse           Hülsenfrüchte, Rosenkohl, Kartoffeln, Porree

Obst                 Bananen

Lebensmittel, die Vitamin B12 enthalten

Käse                 Camembert, Emmentaler, Tilsiter

Milchprodukte Joghurt, Trinkmilch, Quark

Fleisch             Innereien, Rinderfilet, -kotelett

Fisch                Rotbarsch, Seelachs, Hering, Makrele, Scholle

Autorin: Bettina Halbach
Autorin: Bettina Halbach

Die Ernährungswissenschaftlerin und freie Journalistin Bettina Halbach bloggt über urgesunde Ernährung und Naturmedizin - als Kontrapunkt zum Trend, Superfoods aus aller Welt auf den Tisch zu bringen. Viele heimische Lebensmittel und Pflanzen sind auch Superfoods und außerdem unserem Körper vertraut. Aktuell nimmt sich die Expertin des Themas Vitamin B12 an. "Weil es mir als Veggie auf Schritt und Tritt begegnet und weil viele Menschen unbewusst einen Mangel haben."

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